Nachlassunterlagen des Bundesverdienstkreuzträgers Pfarrer Otto Haug (1902-1985) übergeben und bearbeitet
Im Februar wurden unserem Archiv weitere Nachlassunterlagen des Gnadentaler und Hohenackerer Pfarrers Otto Haug übergeben. Diese wurden anschließend an die erste Übergabe bearbeitet, die aus Korrespondenz und genealogischen sowie ortskirchengeschichtlichen Unterlagen zur Erarbeitung des Pfarrerbuchs Württembergisch-Franken bestand, und die im Jahr 2011 von Daniel Schuler verzeichnet wurden (Nrn. 1-8). Der Nachlass Otto Haug (D 55) besteht nun aus 72 Akten, umfasst 0,8 Laufmeter und reicht von 1919 bis 1983.

Haug als Ortskirchenhistoriker: Eintrag Archivpflege-Tagung in Stutt-gart an Bachs 208. Todestag (28.07.1958) (D 55, Nr. 65).
Das Gschwender Pfarrerskind Otto Haug trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde ebenfalls Pfarrer. Er versah ab 1929 seinen Dienst in Gnadental und ab 1940 in Hohenacker. In die Zeit des Wechsels fiel der Einzug in die Wehrmacht, sodass seine Frau und die vier kleinen Töchter in dieser Zeit auf sich allein gestellt waren. Davon zeugen zahlreiche Briefe zwischen den Eheleuten sowie zwischen dem Vater und seinen Töchtern (Nr. 17). Mit Kriegsende geriet Otto Haug am 12. Mai 1945 zusammen mit dem bekannten Bekenntnistheologen Helmut Gollwitzer in die Hände der Russen. Sie wurden in die böhmische Kreisstadt Tabor gebracht. Am 30. Mai 1945 wurde er in einem Güterwagen über Rumänien ins russische Jaroslavl transportiert. Von dort kehrte er im August 1946 heim. Dies hat Haug in seinen Kriegserinnerungen und -tagebüchern, die auch die Gefangenschaft behandeln, dokumentiert (Nr. 48). Nach seiner Rückkehr wurde dem Pfarrerehepaar Haug noch ein fünftes Kind, ein Sohn, geboren.
Otto Haug hatte besondere Freude am Dichten. Überliefert sind zahlreiche Gedichte, die er als Schulkamerad, Soldat, Pfarrer und im familiären Kontext verfasst hat (Nr. 44).
Nach seinem Ruhestand im Jahr 1967 arbeitete Haug verstärkt kirchenhistorisch: Er war von 1969 bis 1984 Mitglied des Ausschusses des Vereins für württembergische Kirchengeschichte und war Verfasser des biographischen Teils des „Pfarrerbuchs Württembergisch Franken” aus dem Jahr 1981. Für diese und andere Tätigkeiten wurde ihm im Jahr der Drucklegung dieses Werkes das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Die Erschließungsdaten sind online recherchierbar und die Akten selbst in unserem Lesesaal einsehbar.
Beitragsbild: Haug als Vater: Mit Tochter Margarete auf dem Arm im Pfarrgarten Gnadental (1933) (D 55, Nr. 50)





