Feldpostbriefe des Karlshöher Diakons und Krankenpflegers Hans Röhm

27. Januar 2021 | |

Eine Lesung aus Feldpostbriefen (1940-1944) aus dem Bestand Landeskirchliches Archiv Stuttgart, L2 (Diakonenanstalt Karlshöhe), Nr. 6703 (Brüderakte Hans Röhm)im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart von Dorothea Besch und Sabine Tomas. Die Lesung wurde für den Tag der Archive des Jahres 2020 zusammengestellt.

Hans Röhm (1921-1944) Kurzbiografie und Einführung

Hans Röhm wurde am 25. August 1921 als 12. von 15 Kindern in Söhnstetten auf der Ostalb geboren (vgl. zu den biografischen Daten: LKAS, L 2, Nr. 6703, Personalakte Hans Röhm). Seine Eltern hatten einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, in dem er mithelfen musste. Nach Beendigung der Volksschule 1935 verbrachte er seine Zeit auf verschiedenen Bauernhöfen als „Schweizer Bursch“, als Melker und Knecht. Von Jugend auf wollte Hans Röhm Diakon werden. Daher bewarb er sich an der traditionsreichen „Brüder- und Kinderrettungsanstalt Karlshöhe in Ludwigsburg, die seit 1876 bestand. In dieser Anstalt konnten sich junge Männer als “Brüder“ bzw. Diakone zum „Hausvater“ für Waisenkinder ausbilden lassen. Für die angehenden Diakone war die Kinderrettungsanstalt ein praktisches Übungs- und Lernfeld. 1879 kam das Männerheim, ein Pflege- und Altenheim, hinzu. Hier wurden die Brüder respektive Diakone während ihrer Ausbildung zum Krankenpfleger eingesetzt.
Für Hans Röhm erfüllte sich sein Berufswunsch, als er die Ausbildung zum Krankenpfleger im Männerheim der Karlshöhe am 1. Dezember 1938 begann. Mit der Aufnahme in den Karlshöher Brüderverband im Januar 1939 war Hans Röhm Teil der diakonischen Gemeinschaft, denn die Aufnahme in den Karlshöher Brüderverband wurde als Auszeichnung verstanden. Der Brüderverband war nicht nur eine Arbeitsgemeinschaft, sondern verstand sich vor allem als eine geistliche Gemeinschaft, die „in der Liebe Jesu Christi ihre Wurzel und im Mutterhaus ihren Mittelpunkt hat“. Die glücklichen beruflichen Umstände änderten sich mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Hans Röhm wurde eingezogen und wurde in Frankreich als Sanitätsgefreiter eingesetzt. Im Oktober 1940 schrieb er den ersten Feldpostbrief aus den Vogesen an den Direktor der Karlshöhe, Fritz Mössner. Fritz Mössner unterhielt mit Soldatenrundbriefen regen Kontakt zu den Karlshöher Brüdern an der Front. Die Korrespondenz mit Hans Röhm zeichnet sich dadurch aus, dass von Röhm von 1940 bis zu seiner Verwundung im Oktober 1944 viele Briefe an Fritz Mössner erhalten sind. Die Briefe zeigen einen naiven jungen Mann, der die Rolle des nationalsozialistischen Deutschlands nicht reflektiert, sondern sich seinem Schicksal ergibt. Röhm macht sich zwar Gedanken über den „bösen Russenkrieg“ und erkennt die Sinnlosigkeit des Krieges, verfällt jedoch in nationalsozialistischen Sprachduktus, wenn er von den „Terrorfliegern“ in der Heimat schreibt. In der Heimat wartete Röhms Verlobte Frieda L. auf ihren Hans. Auch von ihr existieren mehrere Briefe an Fritz Mössner, die in einer Auswahl vorgestellt werden. Frieda war zwei Jahre jünger als Hans und wohnte in Stuttgart-Münster. Sie war das einzige Kind ihrer kranken Eltern, die sie pflegte. Vermutlich haben sich Hans Röhm und Frieda Lindauer 1943 oder auch erst 1944 kennengelernt. Von den vorliegenden Feldpostbriefen wurde für den Tag der Archive eine Auswahl getroffen, die die Kriegssituation besonders verdeutlichen.

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