Artikel in Bestand

Nachlass Christoph Scheytt

11. November 2019 | | ,

Als Reaktion auf unseren Aufruf zur Übernahme von historischen Unterlagen in Privatbesitz fand u.a. der Nachlass von Christoph Scheytt im Juni 2019 seinen Weg ins Landeskirchliche Archiv und wurde unter der Signatur LKAS, D 102 verzeichnet.

Johannes Christoph Scheytt wurde am 25.10.1928 in Murrhardt geboren. Von 1935 bis 1938 besuchte er die Volksschule, danach die Oberschule in Murrhardt. 1944 wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen und u.a. in Berlin eingesetzt. Im April 1945 desertierten er und ein Kamerad und schlugen sich nach Süddeutschland durch. – Die Geschichte dieser Flucht hat Christoph Scheytt 2013 in dem Buch „Wohin wir gehen. Geschichte einer Fahnenflucht.“ Veröffentlicht. Dieses Buch lag dem Nachlass bei und wurde an die Landeskirchliche Zentralbibliothek abgegeben. – Von September 1945 bis Juli 1946 besuchte Christoph Scheytt das evangelisch-theologische Seminar in Blaubeuren. Im Oktober 1946 begann er sein Studium am Evangelischen Stift in Tübingen. Nach bestandener erster evangelisch-theologischer Dienstprüfung im Frühjahr 1951 wurde er am 26.03.1951 in Murrhardt ordiniert. Vom 01.04.1951 bis 21.01.1952 war er Vikar in Wendlingen, vom 22.01.1952 bis 31.07.1952 Pfarrverweser in Tumlingen, vom 01.08.1952 bis 21.07.1954 Pfarrverweser in Waldstetten. Im Mai 1953 legte er die zweite evangelisch-theologische Dienstprüfung ab. Vom 22.07.1954 bis 14.11.1961 war er Pfarrer in Waldstetten, vom 15.11.1961 bis 31.10.1970 hatte er die zweite Pfarrstelle in Waiblingen inne, am 01.11.1970 übernahm er die erste Krankenhauspfarrstelle in Ulm. In den 1980ern war er außerdem Teilprojektleiter im Sonderforschungsgebiet 129 der Universität Ulm („Sozialwissenschaftliche und psychophysiologische Analysen psychotherapeutischer Prozesse“), das Seelsorgegespräche mit todkranken Patienten untersuchte. Am 01.06.1993 trat er in den Ruhestand. Er verstarb am 07.02.2019 in Esslingen am Neckar.

Er war seit 1953 verheiratet und hatte sechs Kinder.

Als Pfarrer in Waldstetten war mit verantwortlich für den Bau der Erlöserkirche, der ersten evangelischen Kirche im sonst katholisch geprägten Ort. Die Kirche wurde am 14.09.1958 eingeweiht. Das erste Kind, das in der neuen Kirche getauft wurde, war eine seiner Töchter.

Der Bestand besteht größtenteils aus Predigten, die Scheytt in seiner Pfarrei, aber auch außerhalb gehalten hat. Auch aus der Zeit seines Ruhestandes sind viele Predigten vorhanden. Die Predigten sind zum einen nach Ereignissen (Taufe, Hochzeit, Beerdigung u.a.) geordnet. Hier ist eine chronologische Ordnung vorhanden. Zum anderen sind die Predigten nach Bibelstellen und somit nicht chronologische geordnet. Eine Verzeichnungseinheit lässt überhaupt kein Ordnungssystem erkennen. Viele der eigenen Predigten hat Scheytt nur in Stenografie verfasst, was die Auswertung deutlich erschweren würde. In Verzeichnungseinheit Nr. 15 ist die Predigt am 12.03.1967 sowohl in Stenografie, als auch als Abschrift vorhanden, was den Zugang evtl. erleichtert. Die meisten Predigten sind Scheytts eigene Predigten. Er hat aber auch Predigten anderer gesammelt. So sind v.a. vom Reutlinger Prälaten Theophil Askani etliche Predigten vorhanden.

Neben den Predigten sind noch Terminkalender aus den Jahren 1955 bis 2013 vorhanden, leider auch größtenteils mit stenografischen Einträgen, sowie Sammlung zur beruflichen Biografie, persönliche Zeugnisse und vereinzelte dienstliche Unterlagen. Außerdem sind aus dem Sonderforschungsgebiet 129 ebenfalls Unterlagen vorhanden, wenn auch nur – dem ersten Eindruckt nach – fragmentarisch.

Nachlass Familie Stahl

10. Oktober 2019 | | ,

In den letzten vier Wochen absolvierte der Tübinger Geschichtsstudent Elia Schilling ein Praktikum im Landeskirchlichen Archiv. In dieser Zeit verzeichnete er den Nachlass der Familie Stahl. Heinrich Stahl (1875–1954) war Missionar der Basler Mission in Kamerun, seine Söhne Heinrich (1905–1945) und Gerhard (1907–1947) wurden beide Pfarrer in Württemberg; Heinrich 1932–38 in Adelberg (Dek. Göppingen) und 1938–45 in Stammheim (Dek. Ludwigsburg), Gerhard 1936–47 in Warmbronn (Dek. Leonberg).

Im Bestand finden sich zahlreiche Predigten, Korrespondenzen, unter anderem Briefe von kamerunischen Freunden der Familie, Tagebücher, Vorlesungsmitschriften aus der Studienzeit, eine Belobungs-Urkunde aus der Schulzeit des Vaters Heinrich und vieles mehr.

Der Bestand ist unter der Signatur D104 verzeichnet. Das Archivinventar wird unter wkgo abrufbar sein.

Nachlass Martin Hermann

16. September 2019 | | ,

Als Reaktion auf unseren Aufruf zur Übernahme von historischen Unterlagen in Privatbesitz  fand u.a. der Nachlass von Martin Hermann im Juni 2019 seinen Weg ins Landeskirchliche Archiv und wurde unter der Signatur LKAS, D 101 verzeichnet.

Martin Hermann wurde am 6. April 1927 in Schlat als Sohn des Pfarrers Johannes Hermann geboren und verstarb am 23. Juni 2000 in Bad Cannstatt. Seine erste theologische Dienstprüfung legte er 1952, die zweite 1954 ab. Ab 1959 war er als Pfarrer an der Auferstehungskirche II, die 1965 in Kreuzkirche umbenannt wurde, tätig bis er 1992 in den Ruhestand trat.

In der 8. Landessynode (1972-1977) war er als 1. Ersatzmitglied des Wahlbezirks Ludwigsburg-Marbach aufgestellt, in der 9. Landessynode (1978-1983) als Mitglied. Ab 1978 war er stellvertretendes Mitglied des Landeskirchenausschusses. In der 11. Landessynode (1990-1995) Vorsitzender des Theologischen Ausschusses, ab 1991 1. Stellvertretendes Mitglied der EKD-Synode und ab 1992 Vorsitzender des Ad-hoc-Ausschusses „Feministische Theologie“.

Durch seine Stellung im Theologischen Ausschuss steht er in der Tradition seines Großvaters des Stuttgarter Prälaten Theodor von Hermann, der maßgeblich am Gesangbuch 1910 beteiligt war und seines Onkels Dekan Theodor Hermann jun. in Esslingen, der als Vorsitzender des Theologischen Ausschusses das Gesangbuch von 1953 in der Synode eingebracht hatte.

Der Bestand umfasst Schriftgut, das im Zusammenhang mit Hermanns Tätigkeit in der Gesangbuchkommission entstanden war. Es handelt sich hierbei um zumeist undatierte Handakten, die allerdings im Wesentlichen in der Zeit zwischen 1990 und 1995 entstanden sein dürften.

Die Sammlung von algebraischen Aufgaben von Nathanael Gottlieb Renz (um 1820)

10. September 2019 | |

„Vier Protestanten treten in eine Allianz gegen einen mächtigen Fürsten. Der erste A gibt alle seinen Truppen dazu, B gibt auch so viele, und noch 1000 drüber, C gibt so viel, als A und B und noch 3000 drüber. Der vierte D gibt 50 000, also so viel, als die 3 ersten. Wie viel hat jeder gegeben?“

Als Reaktion auf unseren Aufruf zur Übernahme von historischen Unterlagen in Privatbesitz fand u.a. die zweibändige Sammlung von algebraischen Aufgaben von Nathanael Gottlieb Renz im Juli 2019 ihren Weg ins Landeskirchliche Archiv und wurde unter der Signatur LKAS, Hs, Nr. 156 verzeichnet.

Magister Nathanael Gottlieb Renz wurde am 11.01.1758 in Meimsheim geboren. Nach seinem Studium wurde er 1794 Pfarrer in Siglingen, 1806 in Oberurbach und 1815 in Köngen, wo er auch am 22.08.1841 verstarb. Er war nicht nur Pfarrer, sondern machte sich auch einen Namen durch exakte, ideenreiche, mechanische und optische Arbeiten. So ist z.B. die Bilduhr in der Sakristei der Köngener Kirche sein Werk.

Er stellte um 1820 eine Sammlung von algebraischen Aufgaben der Mathematiker Meier Hirsch, Johann Christian Bernstorf Uflacker, Christoph Friedrich Kausler, Matthias Butschany und anderen Verfassern zusammen, einige der Aufgaben hat er sich auch selbst ausgedacht. Die Aufgaben beginnen mit der Aufgabenstellung mit mehr oder weniger realitätsnahem Inhalt (gerne werden Beispiele mit Kaufleuten genommen), danach folgt der Rechenweg mit Erklärung und die Auflösung – laut Urteil des früheren Besitzer der Bände, eines Mathematikers, hat Renz manche Aufgaben mit präzisen Rechnungen aufgelöst, wo man heutzutage nur mit Näherungswerten arbeitet.

Die Bände geben einen Einblick, womit sich Renz neben seinem Beruf als Pfarrer beschäftigt hat und bescheinigen ihm einen hohe Intelligenz. Sie könnten bei einer Forschung zu Pfarrern, die eben nicht nur Pfarrer waren, herangezogen werden.

Die beiden Bände beinhalten:

Band 1:

Aufgaben von Meier Hirsch

  1. Aufgaben für die Gleichungen vom ersten Grade mit einer unbekannten Größe
  2. Aufgaben für die Gleichungen vom ersten Grade mit mehreren unbekannten Größen
  3. Aufgaben für die Gleichungen vom zweiten Grade
  4. Aufgaben für die Gleichungen von höheren Graden
  5. Unbestimmte Aufgaben
  6. Aufgaben für die Anwendung der Progressionen
  7. Aufgaben aus der Zins- und Renten-Rechnung, oder solche, welche damit verwandt sin
  8. Vermischte Aufgaben

Band 2:

  1. Aufgaben für die Permutationen, Combinationen und Variationen, auch für Wahrscheinlichkeit-Rechnung. Aufgaben von Meier Hirsch
  2. Uflakersche Aufgaben, nach Kausler
  3. Einfache Gleichungen mit einer unbekannten Größe
  4. Einfache Gleichungen mit mehreren unbekannten Größen
  5. Reine quadratische Gleichungen
  6. Unreine quadratische Gleichungen
  7. Reine kubischen Gleichungen
  8. Vollständige kubischen Gleichungen
  9. Höhere Gleichungen
  10. Unbestimmte Gleichungen
  11. Vermischte Aufgaben
  12. Anhang

III. Aufgaben von Matthias Butschany

  1. Algebraische Gleichungen
  2. Allgemeine analytische Gleichungen
  3. Aufgaben von verschiedenen Verfassern

Nachlass Alexander Friedrich und Helene Weitbrecht

4. September 2019 | | ,

Als Reaktion auf unseren Aufruf zur Übernahme von historischen Unterlagen in Privatbesitz  fand u.a. der Nachlass von Alexander Friedrich und Helene Weitbrecht im Juni und Juli 2019 seinen Weg ins Landeskirchliche Archiv und wurde unter der Signatur LKAS, D 100 verzeichnet.

Alexander Friedrich Weitbrecht wurde am 11.04.1864 in Basel als Sohn von Theodor Friedrich Weitbrecht, dem späteren Dekan von Heilbronn, geboren. Er war vom 01.10.1888 bis 18.07.1890 Vikar in Fellbach, vom 05.11.1890 bis 17.02.1891 Pfarrverweser in Uhlbach, vom 18.02.1891 bis 02.06.1891 in Kohlberg, vom 03.06.1891 bis 08.12.1891 in Amstetten, vom 09.12.1891 bis 08.02.1892 in Obergröningen, vom 09.02.1892 bis 16.06.1898 Pfarrer in Schopfloch (Dekanat Kirchheim unter Teck), vom 17.06.1898 bis 07.04.1908 in Ochsenbach und vom 08.04.1908 bis 1926 in Erdmannshausen. Zuletzt lebte er in Stuttgart-Weilimdort. Er starb am 03.01.1939 in Stuttgart.

Er heiratete am 27.10.1892 Elisa Helene Griesinger (* 25.04.1868, + 28.01.1936), mit der er zwei Söhne (* 1895 und 1901) und vier Töchter (* 1897, 1899, 1903 und 1905) hatte.

Beide sollen laut Aussage seiner jüngsten Enkelin Erika Fezer, die uns der Nachlass übergeben hat, eng mit dem Pietismus, speziell der Michael Hahn’sche Gemeinschaft verbunden gewesen sein.

Der Bestand umfasst neben Zeugnissen und Urkunden zu Alexander Weitbrecht auch einige wenige persönliche Unterlagen. Als erstes dürften die Memoranda und die „Reichsgotteskasse“ Einblick in die Persönlichkeit von Weitbrecht geben. Der Bestand ist damit eine sinnvolle Ergänzung zur Personalakte von Weitbrecht (LKAS, A 127, Nr. 2422).

Eher selten in Pfarrernachlässen und deshalb in diesem Bestand umso interessanter sind die Unterlagen von Helene Griesinger. Neben einem (lückenhaften) Tagebuch sind sechs Bände mit Bibelauslegungen zu finden, die aus der Zeit vor ihrer Hochzeit mit Weitbrecht stammen. Diese ermöglichen einen seltenen Einblick in die Persönlichkeit einer (angehenden) Pfarrersfrau.

Einblicke in die Persönlichkeit und die religiöse Haltung des Pfarrerehepaars und ihrer Verwandten können auch die Korrespondenz zwischen dem Ehepaar und dem (Schwieger-)Vater sowie einige Grabreden und Predigten bieten, die im Bestand überliefert sind.

Zur Familie Weitbrecht siehe de.wikipedia.org/wiki/Weitbrecht_(Unternehmerfamilie) und die dort angegeben Literatur.

Das Stammbuch von Jakob Ferdinand Immanel Ruoff von 1785

22. August 2019 | |

„Was ist des Lebens Herrlichkeit,

Wie bald ist sie verschwunden?

Was ist das Leiden dieser Zeit,

Wie bald ists überwunden?

Hofft auf den Herrn!

Er hilft euch gern;

Seyd fröhlich, ihr Gerechten!

Der Herr hilft seinen Knechten.

 

Denkmal ewiger Freundschaft von Ihrem Fr. Aug. Herweg / Tübingen, d. 26ten Jul. 1786“

 

Als Reaktion auf unseren Aufruf zur Übernahme von historischen Unterlagen in Privatbesitz fand u.a. das Stammbuch (auch Album Amicorum / Freundschaftsalbum) von Jakob Ferdinand Immanel Ruoff im Juli 2019 seinen Weg ins Landeskirchliche Archiv und wurde unter der Signatur LKAS, Hs, Nr. 155 verzeichnet.

Stammbücher waren im 18. Jahrhundert vor allem bei Studenten verbreitet. In ihnen trugen befreundete Kommilitonen Freundschaftsbekundungen ein, häufig beim Weggang vom Studienort, so dass der Besitzer des jeweiligen Stammbuches eine lebenslange Erinnerung an seine Kommilitonen hatte. Außerdem finden sich in den Stammbüchern Eintragungen von Professoren und anderer „Respektspersonen“ (z.B. Pfarrer), die ggf. auch als ein Art Empfehlungsschreiben genutzt wurden, wenn ein Student an eine neue Universität kam.

Überlieferungen von Stammbüchern aus dem 18. Jahrhundert sind selten. Stammbücher ermöglichen nicht nur einen Überblick über soziale Netzwerke der Besitzer, sondern bieten auch Einblicke in die Mentalität der einzelnen Autoren. Außerdem sind sie eine Quelle für Sammler von Autographen prominenter Personen.

Jakob Ferdinand Immanel Ruoff (* 13.10.1763 Seißen, + 25.01.1825 Oßweil) immatrikulierte sich am 22.10.1781 an der Universität Tübingen, wo er am 07.12.1781 den Bachelor und am 24.09.1783 den Magister erhielt. Danach hielt er sich vermutlich weiterhin an der Universität auf, in welcher Funktion ist unbekannt. 1794 wurde er Vikar in Großheppach, 1800 Pfarrer in Oßweil.

Sein Stammbuch enthält 42 Einträge, hauptsächlich aus den Jahren 1785/86, aber auch Einträge aus späteren Jahren sowie vereinzelt biografische Ergänzungen zu einigen Eintragenden, die er später einfügte. Die Einträge sind meist religiös geprägt. Neben Eintragungen von meist Tübinger Kommilitonen sind auch solche von Professoren und Pfarrern sowie von Verwandten zu finden. Der prominenteste unter ihnen ist Carl Friedrich Adolf Steinkopf, Mitgründer und auswärtiger Sekretär der British and Foreign Bible Society und Mitgründer der Privilegierten Württembergischen Bibelanstalt. Den folgenden Eintrag schrieb er kurz vor seine Abreise nach Basel, wo er als Sekretär der Christentumsgesellschaft tätig wurde.

„Seit getreu biß in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.

Offenbar. II. 10

Diß zum Andenken von deinem dem Leibe nach zwar von dir scheidenden aber dem Geiste nach innig mit dir verbunden bleibenden Freund und Bruder M. C. Fr. Steinkopf

Heppach d. 16. Oct. 1795. Kurz vor seiner Abreise aus dem Vaterland.“

Forschungsprojekt zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Paulinenpflege Winnenden

16. August 2019 | | ,

Die Paulinenpflege Winnenden, bekannt durch ihre Heime für Kinder und Jugendliche sowie den Heimen für hör- oder sprachbehinderte Schüler und Auszubildende, möchte mögliche Missbrauchsfälle in der Zeit von 1949- bis 1978 in ihrer Einrichtung aufarbeiten. Dazu hat die Paulinenpflege das Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart beauftragt. Seit Montag werden im Landeskirchlichen Archiv die Akten des Bestandes der Paulinenpflege durch den Historiker Sebastian Wenger gesichtet. Der Bestand der hauptsächlich aus Einzelfallakten besteht, umfasst 34 Regalmeter. Das Projektergebnis wird schon jetzt mit Spannung erwartet.

Ein bemerkenswertes Militärkirchenbuch aus Crailsheim

28. Mai 2019 | | ,

Taufeintrag vom 7. September 1800 mit umfangreichen Angaben zu den Eltern – der Vater ist aus der Garnison Erlangen (so schön geschrieben sind leider nur wenige der Einträge).

Unter den Archivalien des Dekanatamtes Crailsheim, die sich im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart befinden, befindet sich ein Militärkirchenbuch (Nr. 79), das einige Besonderheiten aufweist.

Das Kirchenbuch enthält einleitend eine Notiz zum Aufenthalt des 3. Bataillons eines königlich-preußischen Infanterieregiments in Crailsheim 1798-1805, gefolgt vom einem Taufregister für die Jahre 1797 bis 1806, einem Eheregister für 1797 bis 1804, einem Totenregister für 1797 bis 1806 und einem Kommunikantenregister für 1798 bis 1806.

Die Einträge sind umfangreich und enthalten mehr genealogisch interessante Informationen als üblich. So sind in den Taufeinträgen die Mütter mit vollem Namen und teilweise der Herkunftsort der Eltern genannt. Die Eheeinträge enthalten Angabe zur Herkunft und Alter sowie zu den Eltern der Brautleute. In den Todeseinträgen von Kindern sind die Mütter ebenfalls mit vollem Namen genannt.

Neben den erwartungsgemäß evangelischen Soldaten bzw. deren Angehörige sind auch viele Einträge zu katholischen Soldaten zu finden, darunter auch Eheeinträge zu rein katholischen Brautleuten. Die bemerkenswerteste Besonderheit aber ist, dass die Einträge nicht nur königlich-preußische Soldaten der Garnison Crailsheim betreffen, sondern auch Soldaten aus den einige Tagesmärsche entfernten Garnisonen Erlangen und Ansbach, die sich zeitweise, wahrscheinlich aus dienstlichen Gründen, in Crailsheim aufhielten.

Objektbestand der Basler Mission Deutscher Zweig jetzt in der Musealen Sammlung im Landeskirchlichen Archiv

15. April 2019 | | ,

Vieles hatte sich über Jahrzehnte hinweg angesammelt bei der Basler Mission Deutscher Zweig in der Stuttgarter Vogelsangstraße: Exotische Mitbringsel von Missionarinnen und Missionaren, Geschenke aus Partnerschaftstreffen, Werbemittel, Sammelbüchsen und sogar das Reiseharmonium eines Indien-Missionars. Zwischen chinesischen Wandbehängen und afrikanischen Trommeln lagerte auch eine Büste von Karl Hartenstein, der von 1926 bis 1939 Direktor der Basler Mission war.

Dass diese Dinge wichtige Zeugnisse der bewegten Geschichte der Basler Mission sind, war den Verantwortlichen spätestens beim 200-jährigen Jubiläum der Basler Mission im Jahr 2015 klar. In der Jubiläumsausstellung „Unterwegs zu den Anderen” gelang es vor allem durch die Exponate das Publikum anzusprechen und über vielschichtige Perspektiven und Lesarten die Entwicklung der Missionsgesellschaft aufzuzeigen.

Um die Objekte für die Zukunft zu erhalten, wurde der Bestand jetzt in die Museale Sammlung im Landeskirchlichen Archiv gegeben. Dort wird jedes Stück fotografiert, beschrieben und in einer Datenbank erfasst und unter geeigneten klimatischen Bedingungen aufbewahrt. Die Objekte stehen dann weiter für die Öffentlichkeit zur Verfügung und können jederzeit für entsprechende Projekte ausgeliehen werden. Kontakt: andrea.kittel@elk-wue.de

 

Nachlass von Lenore Volz im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart

8. April 2019 | |

Die württembergische Theologin Lenore Volz wurde am 16.03.1913 in Stuttgart geboren, studierte von 1933-1938 Theologie in Tübingen und Greifswald und war ab 1940 zuerst als „Pfarrgehilfin“, nach der zweiten theologischen Dienstprüfung 1943 als „Pfarrvikarin“ in Bad Cannstatt tätig. Dort wurde sie 1970 als Krankenhauspfarrerin investiert und blieb bis 1978 im Amt. Lenore Volz war die treibende Kraft im Kampf um die Gleichberechtigung der Theologinnen, denen es in Württemberg bis zur Reform der Theologinnenordnung 1968 nicht gestattet war, ein Gemeindepfarramt zu übernehmen. Den Anstoß zur Reform gab Lenore Volz 1961 in der kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaft des Dekanats Bad Cannstatt mit ihrem Vortrag „Ist die Theologinnen-Ordnung von 1948 revisionsbedürftig?“. 1965, als Vorsitzende des Konvents evangelischer Theologinnen in Württemberg bereitete sie mit ihren Mitstreiterinnen die Studie „Frauen auf die Kanzel? Eine brennende Frage unserer Kirche“ vor, die 1967 mit einem Vorwort von Richard von Weizsäcker erschien. Die Beantwortung dieser „brennenden Frage“ führte zum neuen Theologinnengesetz, das am 15. November 1968 verabschiedet wurde. Den Weg, den die Theologinnen bis zu ihrer rechtlichen Gleichstellung gegangen waren, lässt sich im spannenden Nachlass von Lenore Volz nachvollziehen. Darüber hinaus gibt er Einblick in ihre Tätigkeit als Klinikseelsorgerin, in ihre Predigten und ihre berufliche sowie private Korrespondenz. Wir freuen uns über Interessierte, die diesen Nachlass im Landeskirchliche Archiv Stuttgart unter der Signatur D 86 einsehen und neue Erkenntnisse gewinnen möchten. Das Findbuch ist unter der Adresse https://www.wkgo.de/wkgosrc/findmittel/cms/index/LKAS-D086 einsehbar.

Das Archiv der Ulmer Münsterbauhütte als Verzeichnungsprojekt des Landeskirchlichen Archivs

18. März 2019 | | ,

Ulmer Münster, Gesamtansicht von Südosten. Aus: Zehn Deutsche Dome, Berlin 1939, S. 193.

Das Verzeichnungsprojekt der Ulmer Münsterbauhütte ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Landeskirchlichen Archiv Stuttgart und der kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Paderborn unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Haag und Prof. Dr. Eva-Maria Seng, ausgeführt von Dr. Anette Pelizaeus und Sabine Tomas.

Im September 2016 wurde das Archiv der Ulmer Münsterbauhütte zur Verzeichnung im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart eingeholt.

Das Archiv enthält erstens eine umfassende Quellensammlung, bestehend aus Amtsbüchern, Bauakten, Akten zum Münsterbauverein, Korrespondenzen, Tagebüchern der Münsterbaumeister, Hüttenmeister und Turmwärter, Bautagebüchern, Baufortgangsberichten, Steinhauer- und Arbeiterlisten, Zahltaglisten und Stammlisten der Mitglieder der Münsterbauhütte. Zweitens beinhaltet das Archiv auch ein umfangreiches Bildarchiv mit Fotos, Dias und ca. 4.000 Glasplatten.

Zunächst musste ein Profil für die Datenbank mit allen notwendigen Informationen zur Verzeichnung des Bildmaterials mit Lokalisation, Titulatur, Objektbeschreibung, ikonografischen und personenbezogenen Angaben, Datierung und einer detaillierten Indizierung erstellt werden, und zwar angelehnt an die allgemeinen Erschließung von Quellen und Bildmaterial im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart.

Die Dokumentation des Bildbestandes ist bereits abgeschlossen. Es wurden ca. 2500 Glasplatten und 3612 Positive, jeweils ausschließlich der Duplikate, in der Datenbank erfasst. Die verzeichneten Glasplatten werden nun in einem zweiten Schritt digitalisiert.

Die Erfassung des Quellenmaterials wird voraussichtlich noch bis Mai 2020 andauern.

Am 24. Mai 2019, 17.00 Uhr,  ist ein Vortrag von Frau Dr. Pelizaeus und Frau Tomas zum Thema Münsterbauhütte geplant. Ort ist der Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs.