Vortrag: Historische Quellen zur Pietà aus der Liebfrauenkirche in Lienzingen

13. Mai 2022 | | ,

Derzeit findet ein Projekt verschiedener Partner statt, um die Lienzinger Pietà wissenschaftlich aufzuarbeiten, konservatorisch zu sichern und sie in Form einer Replik wieder an ihrem originalen Platz in der Liebfrauenkirche in Mühlacker-Lienzingen aufzustellen. Die nahezu lebensgroße Lindenholzskulptur rückt dadurch nach langem Dornröschenschlaf in das öffentliche Interesse. Es liegen inzwischen Anfragen vor, sie auch in Ausstellungen in Karlsruhe und Paris zu zeigen. Seit April läuft zu dem Thema eine Vortragsreihe, die von der Volkshochschule Mühlacker veranstaltet wird. Die Vorträge finden in der historischen alten Kelter in Mühlacker statt, wo die Pietà auch ausgestellt wird. Direkt neben der Originalskulptur entsteht derzeit eine Kopie, die durch einen Bildhauer hergestellt wird. Die durch Bilderstürmerei der Reformationszeit stark beschädigte Skulptur (beide Köpfe fehlen) wird in der Kopie ergänzt.

Dr. des. Andreas Butz vom Landeskirchlichen Archiv wird im Rahmen der Vortragsreihe am 19. Mai die historischen Quellen zur Pietà, zur mittelalterlichen Kapelle und zur Wallfahrt und Marienverehrung vorstellen.

Das Programm der Vortragsreihe und Informationen zur Anmeldung erhalten Sie hier.

 

 

Beitragsbild: Ansicht von Lienzingen von Andreas Kieser, 1684. Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Bestellsignatur H 107/16 Bd 5 Bl. 9, Permalink http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-513372

Das Landeskirchliche Archiv als Sammelstelle für Materialien für die Ukraine (Kulturschutz)

11. Mai 2022 | |

Der Krieg in der Ukraine gefährdet auch die Bestände der kulturellen Einrichtungen wie Archive, Bibliothek oder Museen. Historiker befürchten die Zerstörung von Archiven als Gedächtnisort des kulturellen Erbes der Ukraine.

Zur Unterstützung der Ukrainischen Einrichtungen bei der Erhaltung und Bergung von Kulturgütern wurde auf Bundesgebiet Ende März das Netzwerk Kulturgutschutz Ukraine gegründet.

Auf Initiative der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien (BKM) und dem Auswärtigen Amt sollte kurzfristig eine deutschlandweite Spenden- und Sammelaktion für Material zum Schutz der Kulturgüter in der Ukraine organisiert werden. Beteiligt sind daran neben dem Deutschen Archäologischen Institut und der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk mit dem Projekt KulturGutRetter u.a.Blue Shield Deutschland e.V., die Deutsche Gesellschaft für Kulturgutschutz e.V. (DGKS) und SiLK – SicherheitsLeitfaden Kulturgut (im Rahmen seiner Funktion als Koordinator der Notfallverbünde).

Die Notfallverbünde in Deutschland http://notfallverbund.de haben zu diesem Zweck Sammelstellen eingerichtet, an denen Sachspenden abgegeben werden können. Von dort aus wird der Weitertransport an die zentrale Sammelstelle des THW und weiter in die Ukraine organisiert.

Auch in Stuttgart musste ein Sammellager eingerichtet werden. Auf Anfrage des Sprechers des Stuttgarter Notfallverbundes (http://notfallverbund.de/verbuende/listenansicht/notfallverbund-stuttgart) Christian Müller, Mitarbeiter des Wirtschaftsarchivs Baden-Württemberg hat sich daher das Landeskirchliche Archiv Stuttgart bereit erklärt, die Materialsammlung und den Weitertransport zu koordinieren.

Die 15 im Stuttgarter Notfallverbund zusammengeschlossenen Archive, Bibliotheken und Museen waren dazu aufgerufen, Verpackungsmaterialien wie säurefreie Archivierungsboxen, Plakatrollen, Luftpolsterfolien, Seidenpapier oder Holzkisten für den Transport von Bildern für die Ukrainischen Kultureinrichtungen zu spenden.

Innerhalb einer Woche kamen so insgesamt 17 Paletten an Hilfsgütern zusammen, gespendet etwa vom SWR, dem Staatsarchiv Ludwigsburg, dem Stadtarchiv Stuttgart, dem Landesmuseum oder dem Wirtschaftsarchiv. Im Landeskirchlichen Archiv wurde das Material vorsortiert, transportfähig auf Paletten gepackt und für den Weitertransport in die Ukraine in deutsch-englisch-sprachigen Materiallisten aufgeführt. Am 3. Mai wurden die umfangreichen Stuttgarter Materialspenden dann im Landeskirchlichen Archiv vom Stuttgarter und Göppinger Ortsverband des THW abgeholt und zunächst an das THW-Zentrallager in Hilden bei Düsseldorf verbracht. Von dort wird der Transport in die Ukraine organisiert.

Für die Mitarbeitenden des Landeskirchlichen Archivs und der Landeskirchlichen Zentralbibliothek war mit der Hilfsaktion letztlich mehr Arbeit verbunden als zunächst gedacht. Aber wir hoffen, dass die Materialien gut in der Ukraine ankommen und dort einen Beitrag zum Schutz und zur Rettung der gefährdeten Kulturgüter leisten.

Die Stuttgarter Nachrichten haben in einem Artikel über die Aktion berichtet.

Maikäfer flieg!

4. Mai 2022 | |

LKAS, Museale Sammlung, Inv. Nr. 00.088

Viele kennen noch dieses bekannte Volkslied, das recht fröhlich beginnt und schon in der zweiten Zeile für irritierenden Ernst sorgt, indem es Krieg thematisiert. Dass das Kinderlied lange Zeit arglos geträllert wurde, zeigt dieses wohl aus den 1950er Jahren stammende Kindertaschentuch, das mit einem Nachlass in unsere Museale Sammlung kam: Zwei lachende, singende Kinder und vier dicke Maikäfer.

Maikäfer sind heutzutage nicht mehr oft zu sehen, dafür sind Kriege und ihre Folgen täglich präsent.

Was hat es mit diesem Volkslied auf sich? Von welchem Krieg ist die Rede? In welchen Kriegsgebieten sind die Eltern dieser Kinder verschwunden? Pommerland? Pommern?

Zahlreiche historische sowie kultur- und literaturwissenschaftliche Deutungen gibt es zur Herkunft dieses Liedtextes. Zunächst ging man davon aus, dass es im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) entstand. Doch das im Text entworfene Bild des ausziehenden Vaters als Soldaten und der zurückbleibenden Familie hat zu dieser Zeit wohl so nicht stattgefunden. Laut dem Historiker Hans Medick seien in Dreißigjährigen Krieg vielmehr ganze Hausstände in Trossen hinter den Armeen hergezogen und hätten vagabundierende Lebensgemeinschaften gebildet. Einen möglichen historischen Bezug sieht Medick eher im Siebenjährigen Krieg (1756–1763), der auch in der Region Pommern drastische Spuren hinterließ.

Die heute bekannte Textversion des Liedes lässt sich seit etwa 1800 in gedruckter Form nachweisen. Die Melodie, die auch für das Wiegenlied „Schlaf, Kindlein, schlaf“ verwendet wird, komponierte Johann Friedrich Reichardt 1781 nach einer Volksweise.

Die anhaltende Beliebtheit des Liedes erklärt sich möglicherweise aus der Faszination seiner Widersprüchlichkeit. Zur lieblichen Wiegenlied-Melodie werden nüchtern die Schrecken benannt: Die Eltern sind verschollen, ob sie zurückkehren, ist ungewiss. Das Spiel der Kinder, Maikäfer einzufangen und wieder fliegen zu lassen, spiegelt Trost und Verzweiflung gleichermaßen.

Quelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Maik%C3%A4fer_flieg

Ein Maikäfer beim Abflug auf einer Apfelblüte. Foto: Jazzclub, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons