Artikel in Museale Sammlung

Prälaturbibel – ein Abschiedsgeschenk von Kindern gestaltet

13. März 2019 | |

Die Museale Sammlung im Landeskirchlichen Archiv konnte kürzlich wieder ein besonderes Objekt aufnehmen: Eine Bilderbibel, im Religionsunterricht gestaltet von Kindern unterschiedlicher Schularten aus der Prälatur Ludwigsburg. Dieses bunte Gemeinschaftswerk war ein Abschiedsgeschenk an die Prälatin Dorothea Margenfeld.

Als Dorothea Margenfeld 1992 zur ersten Prälatin in der Württembergischen Landeskirche ernannt wurde, war dies ein starkes Zeichen für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Viele begrüßten diesen Schritt. Andere wiederum konnten sich – 30 Jahre, nachdem Frauen zum Pfarramt in der Württembergischen Landeskirche zugelassen worden waren – damit nicht anfreunden. Ein Pfarrer bezeichnete öffentlich die Prälatur als unbesetzt und weigerte sich, Margenfeld als Vorgesetzte anzuerkennen. Erst ein offener Brief des damaligen Bischofs Theo Sorg ließ die Proteste allmählich verstummen. Als Margenfeld 2003 in den Ruhestand ging, hatte sie ihre Kritiker längst von sich überzeugt und erfreute sich großer Beliebtheit.

Bei ihrer Verabschiedung wurde ihr die von Kindern gestaltete Prälaturbibel überreicht – ein passendes Geschenk. Denn die besondere Weltsicht von Kindern hat Dorothea Margenfeld immer sehr interessiert wahrgenommen und wertgeschätzt. In ihren Texten, Briefen und Predigten, in Ansprachen und Andachten, kommen häufig Kinder vor. Sie stellen kritische Fragen und geben kluge Antworten. „Kinder halten am Unmöglichen fest“, sagte sie einmal in einem Interview. „Wir müssen als Christinnen und Christen am Unmöglichen festhalten – an der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit inmitten einer friedlosen, ungerechten Welt. Und manchmal wächst dann ganz plötzlich und unvermutet etwas. Das ist ganz erstaunlich.“

Mit dem Ruhestand der Prälatin vor 15 Jahren wurde im Zuge einer Strukturreform die Prälatur Ludwigsburg aufgelöst und ihr Gebiet auf die umliegenden Prälaturen verteilt.

Entwurf für einen neuen Talar für Pfarrerinnen

1. März 2019 | |

In der Musealen Sammlung im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart befindet sich eine Entwurfszeichnung für einen Frauentalar aus dem Jahr 2008. Sie stammt von dem Nattheimer Künstler Rudolf Thelen und kam über den früheren Crailsheimer Dekan Dr. Winfried Dalferth ins Haus. Ein Gespräch der beiden über die Amtstracht von Pfarrerinnen und Pfarrer hat Thelen zu dieser Radierung inspiriert. Mehr als ein künstlerischer Impuls sollte daraus nicht werden. Zu lange mussten die württembergischen Theologinnen für ihre Gleichberechtigung kämpfen. Lange Zeit waren sie von Predigtamt und Sakramentshandlungen ausgeschlossen, firmierten als Pfarrgehilfinnen und -vikarinnen. Ihr seelsorgerliches Amt versahen sie im schwarzen Kleid. Das Tragen eines Talars war ihnen erst seit 1948 erlaubt – allerdings nicht mit Beffchen, sondern mit einem speziell für die Frauen entwickelten weißen Kragen. Erst seit der Einführung der Frauenordination im Jahr 1968 tragen Frauen dieselbe Amtstracht wie die Männer. Bestrebungen, modisch weibliche Akzente ins Amt einzubringen, haben sich bislang in Grenzen gehalten.