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Himmelfahrt

17. Mai 2023 | | ,

Gebetbuch, 1688, hg. vom Abendprediger der Stiftskirche in Stuttgart Johann Heinrich Schellenbaur (1643-1687), Museale Sammlung (17.005)

Ist Christus im Streitwagen mit flammenden Rädern gen Himmel gefahren?

Der Kupferstich in diesem in Stuttgart herausgegebenen Gebetbuch von 1688 zeigt nicht den himmelfahrenden Christus, sondern den Propheten Elija aus dem Alten Testament. In vielen alten Darstellungen wird die Himmelfahrt des Elija als Präfiguration der Himmelfahrt Christi gezeigt: Das, was im Alten Testament angekündigt wird, vollendet sich im Neuen Testament.

40 Tage nach Ostern feiern Christen Himmelfahrt, den Tag an dem Jesus Christus von seinen Jüngern Abschied nahm und in die unsichtbare Welt Gottes zurückkehrte. Seitdem sitzt er “zur Rechten Gottes”, wie es im apostolischen Glaubensbekenntnis heißt. (Markus 16,19, in Lukas 24,51 sowie in der Apostelgeschichte 1,1–11.)

Das vorliegende Gebetbuch ist noch unter anderen Aspekten interessant. Jedes Titelkupfer ist einer württembergischen Stadt gewidmet, hier: Stetten. Andere zeigen Blaubeuren, Lauffen, Marbach oder Brackenheim…

Bericht von der Tagung „Evangelische Kirchenbibliotheken. Desiderate und Perspektiven ihrer Erforschung” in Gotha

27. September 2021 | |

Am 13. und 14. September 2021 fand in der Augustinerkirche in Gotha die Tagung „Evangelische Kirchenbibliotheken. Desiderate und Perspektiven ihrer Erforschung“ statt.  Die Veranstaltung wurde geleitet von Prof. Dr. Thomas Fuchs (Universitätsbibliothek Leipzig), Dr. Kathrin Paasch (Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt) und Prof. Dr. Christopher Spehr (Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena)Kooperation mit dem Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Eisenach und Magdeburg, sowie dem Freundeskreis der Forschungsbibliothek Gotha e.V.

„Es liegen viele Aufgaben vor uns – packen wir es an“ forderte Christopher Spehr (Universität Jena) auf der Tagung „Evangelische Kirchenbibliotheken. Desiderate und Perspektiven ihrer Erforschung“ in Gotha seine Zuhörer auf. Zuvor hatte er den Erschließungstand historischer Pfarrbibliotheken skizziert. Neben zwei Projekten in Mecklenburg-Vorpommern (2016-2017)  und in Nordthüringen (seit 2017)  sind bisher nur einzelne Kirchenbibliotheken in Verbundkatalogen katalogisiert und damit ihre Bestände für die Forschung benutzbar gemacht worden. Eine Mammutaufgabe wie Thomas Fuchs (Universitätsbibliothek Leipzig) erklärte, da die genaue Zahl der evangelischen Kirchenbibliotheken nicht bekannt ist, die Bestände für den Arbeitsalltag der Pfarrerschaft keine Rolle mehr spielen und sie deshalb wenig beachtet werden. Oft sind sie in einem schlechten Erhaltungszustand und stehen an zu feuchten oder zu warmen Orten in Kirchen, Pfarr- oder Gemeindehäusern. Dennoch ist es lohnend, sie zu erschließen, denn in den historischen Beständen lassen sich häufig unikale und für die besitzende Gemeinde bedeutende Bücher entdecken. Besonders spannend ist es, wenn die Vorbesitzer ihre Ansichten in den Büchern vermerkt haben. So zeigte Helmut Liersch (Goslar) anhand der Halberstädter Büchersammlung in Goslar, wie sich der Sinneswandel des „altgläubigen“ Notars Andreas Gronewalt zum Anhänger Luthers nachvollziehen lässt.

Am Beispiel der Kirchenbibliothek von St. Annen in Annaberg erläuterte Thomas Thibault Döring (Universitätsbibliothek Leipzig), wie Kirchenbibliotheken im Laufe der Geschichte ihre Funktionen änderten, zusätzlich zu Rats-, Schul- oder Stadtbibliothek wurden und von Pfarrern, Lehrern, Ratsherren und Bürgern der Stadt genutzt wurden. Untergebracht waren die Büchersammlungen häufig in der Kirche, oft wurden auch eigene Anbauten für sie errichtet wie in Goslar oder in Wittenberg. In weiteren Vorträgen wurde auf die kulturhistorische Bedeutung von Büchern und Bibliotheken eingegangen und so stellten Insa Christina Hennen (Stiftung Leucorea Wittenberg) und Daniel Bohnert (Universität Duisburg-Essen) die Bedeutung der Ordiniertenbücher für die lutherische Gedächtniskultur dar oder erläuterte Michael Ludscheidt (Bibliothek d. Evangelischen Ministeriums Erfurt) die Memorialfunktion bürgerlicher Buchgeschenke. Nicht immer waren die Anschaffungen theologisch motiviert wie Christoph Nonnast (Universität Jena) anhand der Buchkäufe in Nordthüringen belegt. Hier priesen Autoren und Verlage ihre Werke – oft noch vor der Drucklegung – beim Fürsten an, der dann deren Ankauf in den Kirchengemeinden befahl.

Der Schwerpunkt der Vorträge lag auf dem mitteldeutschen Raum, doch mit dem Beitrag über die Geschichte der Konsistorialbibliothek in Stuttgart stellte Carsten Kottmann (Württembergische Landesbibliothek Stuttgart) auch ein Bespiel einer württembergischen Kirchenbibliothek vor. Welche Chancen die weitere Erfassung der Kirchenbibliotheken bieten, zeigten Christoph Nonnast, der die Ergebnisse des Erschließungsprojekts in Nordthüringen vorstellte, und Dietrich Hakelberg (Forschungsbibliothek Gotha), der die Möglichkeiten zur Visualisierung der Bestände mittels Geobrowser und Wortwolke präsentierte. Insgesamt war es eine gelungene und spannende Tagung, die gleichzeitig den Auftakt zum Projekt der EKM zur Erfassung historischer Kirchenbibliotheken ab 2022 bildet. Wer nun neugierig geworden ist, kann die Vorträge im nächsten Band des Leipziger Jahrbuch für Buchgeschichte nachlesen.

Foto: Sergej Tan, Forschungsbibliothek Gotha

Die denkmalgeschützte Kirchenbibliothek der Esslinger Stadtkirche St. Dyonis

9. August 2021 | |

Ein Denkmal im Denkmal : gut versteckt, im Raum über der Sakristei der Stadtkirche St. Dionys in Esslingen steht die denkmalgeschützte Kirchenbibliothek. In diesem Film nimmt Herr Albrecht Braun Sie mit auf eine Entdeckungsreise zur Bibliothek und ihrer Geschichte.  Möchten Sie noch mehr wissen? Die Bestände sind katalogisiert und können über den Zentralkatalog der Landeskirchlichen Zentralbibliothek recherchiert werden. Außerdem stellt Herr Braun regelmäßig außergewöhnliche Bücher in der Rubrik „Das besondere Buch“ vor.

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Wetten, dass?

10. Februar 2021 | |

In der Grundschule in Ruit stand im Mai 2003 „Martin Luther“ auf dem Lehrplan im Religionsunterricht der dritten und vierten Klasse. Als die Kinder hörten, dass der Reformator ganz allein in seiner Studierstube auf der Wartburg gesessen und handschriftlich seine Übersetzung des Neuen Testamentes geschrieben hatte, waren sie sehr beeindruckt. Es schloss sich die Diskussion an, ob eine einzelne Person oder eine kleine Gruppe auch heute noch die Bibel in wenigen Wochen abschreiben könnte. Daraus entstand die Idee zu einer Wette. Die Lehrerin wettete gegen die beiden Klassen, dass sie es nicht schaffen würden, innerhalb von 6 Wochen eine Kinderbibel abzuschreiben. Als Preis winkte den beiden Klassen ein Sommerfest. Die Bedingungen waren: der Text sollte nach der „Bibel für die Grundschule“ auf weißen (von der Lehrerin zur Verfügung gestellten) Blättern abgeschrieben, die Initiale besonders gestaltet und außerdem ein passendes Bild dazu gemalt werden. Zuerst waren alle Kinder mit Feuereifer dabei. Aber als einige Blätter neu geschrieben werden mussten, da die Schreiber zu viele Fehler gemacht hatten und der heiße Sommer die Schüler vom Schreibtisch ins Freibad lockte, erlahmte das Interesse. Da war dann die Unterstützung von Geschwistern und Freunden gefragt, die noch das eine oder Kapitel übernahmen. Schließlich wurde der Text bis zum 2. Juli 2003 fertig und repräsentativ in blaues Leinen eingebunden. Zum Sommerfest lud die Klasse den damaligen Landesbischof Dr. Gerhard Maier ein, der dann auch nach Ruit kam, um den Kindern zur gewonnenen Wette zu gratulieren und eine Widmung in die Bibel zu schreiben.

Autorinnen: Konstanze Grutschnig und Daniela Benk