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Die historischen Friedhöfe der schwäbischen Templer in Palästina/Israel (1869-1948)

17. September 2021 | | , ,

Dr. Jakob Eisler, Mitarbeiter des Landeskirchlichen Archivs, und Ulrich Gräf, Kirchenoberbaudirektor der evangelischen Landeskirche in Württemberg i.R., arbeiten derzeit an einer aufwändigen Dokumentation der Friedhöfe mit ihren Grabsteinen in Haifa und Jerusalem, sowie der aufgelösten Friedhöfe in Bethlehem/Galiläa, Waldheim im Norden; Jaffa (Mount Hope), Sarona und Wilhelma im Süden.

Zum ersten Mal werden in einer großangelegten Dokumentation alle Grabsteine und, soweit erfassbar, auch alle beerdigten Personen der schwäbischen Templer in Israel vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen die Darstellung der Grabsteine und die Stellung und Bedeutung der beerdigten Personen in den Templergemeinden. In Kurzbiographien werden die familiären Hintergründe beschrieben und auch auf verwandtschaftliche Beziehungen zu anderen Personen, die auf den Friedhöfen beerdigt sind, verwiesen. Die Hinweise auf die wirtschaftlichen und kulturellen Aktivitäten der Templer zeigen einmal mehr auf, welch große Bedeutung die Templer mit ihren Siedlungen auf die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Palästina und Israel im 19. und 20. Jahrhundert gehabt haben.

In Registern zu den Koordinaten der Grabsteine, einem Namens-Register aller beerdigten Personen können leicht die einzelnen fast 2.000 dokumentierten Personen gefunden werden. Durch eine Herkunftsliste können die Orte, aus denen die schwäbischen Templer in das damalige Palästina ausgewandert sind, nachvollzogen werden. Die Vielzahl der Orte vor allem aus dem damaligen Königreich Württemberg und darüber hinaus aus dem deutschen Kaiserreich, nicht zu vergessen aus den USA und Osteuropa, ist erstaunlich.

Einen weiteren Schwerpunkt der Dokumentation der Grabsteine bilden die vielen Inschriften, Bibelzitate, Trauersprüche und Gedichte, die ein Licht auf die Bibeltreue der Templer werfen und ihren festen Glauben bezeugen. Die Liste der Bibelstellen ist wie ein Gang durch das Alte und Neue Testament, die Vielzahl der Bibelstellen beweist die Bibelkenntnis der Templerfamilien.

80 Jahre Grabsteinkunst, von 1870 bis zum 2. Weltkrieg, belegen, dass die Templer die Entwicklungen in der Grabsteingestaltung im Deutschen Reich kannten und an ihre Verhältnisse und Materialmöglichkeiten im damaligen Palästina anpassten. Daraus ergibt sich ein interessanter Querschnitt der Grabsteinformen und dem Grabsteindekor vom Historismus bis in die 1930er Jahre.

Abgerundet wird die Dokumentation aller Grabsteine der schwäbischen Templer in Israel mit einem geschichtlichen Überblick der Friedhöfe und einem Einblick in die Begräbnis- und Trauerriten der Templer. Die verwendete Literatur und Quellen ergeben im Literaturverzeichnis eine nahezu komplette Übersicht über die Literatur und die Quellen zu den Templern. In zwei Bänden umfasst die Dokumentation der Friedhöfe rd. 700 Seiten und wird im Frühjahr 2022 im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart erscheinen.

Beitragsbild: Friedhof in Jerusalem

Neuerscheinung über die Württembergische Kantatenlandschaft

28. Juni 2021 | |

Wussten Sie, dass im 18. Jahrhundert auch in zahlreichen Württembergischen Gemeinden Kantaten im Gottesdienst aufgeführt wurden? In der traditionellen Musikgeschichte verbindet man die Kantatenkompositionen des 18. Jahrhunderts mit Komponisten aus Mittel- und Norddeutschland. Dieser Einfluss ist auch in Südwestdeutschland durch den Transfer von Musikalien nachweisbar. Allerdings haben neuere Forschungen ergeben, dass sich im frühen 18. Jahrhundert in Südwestdeutschland eine eigenständige Kantatenlandschaft entwickelt hat. In zahlreichen württembergischen Städten wie z.B. Schorndorf, Nürtingen, Balingen, Calw, Leonberg oder Herrenberg, aber auch in Dörfern wie Fellbach führte man im Gottesdienst Kantaten auf. Damit immer wieder neue Kompositionen erklingen konnten, wurden die Noten zwischen den Orten getauscht oder ausgeliehen und abgeschrieben. Die erhaltenen Bestände zeigen, dass zahlreiche württembergische Musiker Kantaten komponierten, die dann im ganzen Land aufgeführt wurden, wie z. B. zum Beispiel der Stuttgarter Stiftorganist Störl, Johann Gottlob Sauerbrey, der in Urach als Organist tätig war, Georg Philipp Bamberg, der zuerst als Organist in Calw wirkte und später als Hoforganist nach Stuttgart ging, sowie Georg Eberhadt Duntz und Jacob Senger, die ebenfalls am Stuttgarter Hof als Musiker angestellt waren.

Auf einer interdisziplinären Tagung, die das Musikwissenschaftliche Institut der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart und das Landeskirchlichen Archiv Stuttgart im November 2012 organisierten, wurden diese Themen vorgestellt und sind nun in dem Konferenzband erschienen: „Die Kantate im deutschen Südwesten. Quellen, Repertoire und Überlieferung 1700-1770“ herausgegeben von Joachim Kremer, Norbert Haag und Sabine Holtz. Mainz: Schott, 2021 (Stuttgarter Musikwissenschaftliche Schriften; Bd. 6)

Neu in den Kleinen Schriften des Vereins für Württembergische Kirchengeschichte erschienen: Die Stadtkirche St. Georg in Weikersheim

23. Juli 2020 | | ,

Der kleine überarbeitete Kirchenführer durch die Stadtkirche St. Georg zu Weikersheim liefert neue Erkenntnisse sowohl zu ihrer Vorgängerkirche und Baugeschichte als auch ihren Ausstattungsstücken. Im ersten Teil werden die Quellen, die für die Entscheidungen über einen Neubau relevant sind, ausgewertet und in die heutige Sprache umgesetzt. Im zweiten Teil wird die vielschichtige Entwicklung von der einst einfachen romanischen Kirche bis zur heutigen Stadtkirche mit ihrem wohl gelungenen Stilpluralismus dargestellt und kann lebendig nachvollzogen werden. Innenraum und Außenbau des Kirchengebäudes erschließen sich durch präzise Beschreibungen und anhand ausgewählter Betrachtungen, die alle historisch, kunsthistorisch oder kulturhistorisch interessierten Besucherinnen und Besucher in die jeweilige Stilepoche der jeweiligen Kunstobjekte eintauchen lassen. Zahlreiches Anschauungsmaterial dient als lebendige Begleitung des Fließtextes, der nicht zuletzt von der geistlichen Botschaft des Sakralgebäudes im christlichen Abendland zeugt.

Die Autoren sind Dr. Anette Pelizaeus M.A., Kunsthistorikerin und Inventarisatorin im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart und Günter Breitenbacher, Studiendirektor A.D. am Gymnasium Weikersheim.

Der Band kann zu einem Preis von 4,00 Euro über unser Sekretariat (Margarete.Gruenwald@elk-wue.de) oder über das Dekanat Weikersheim bezogen werden.