Schlagworte: Erster Weltkrieg

Ein Weihnachtsbaum für die Frontsoldaten

16. Dezember 2019 | | ,

Der Brauch einen Christbaum aufzustellen kam schon im 16. Jahrhundert auf und verbreitete sich über die adeligen Höfe.

Weihnachtsbaum in Feldpostpäckchen, 1914-1918. Foto: Landeskirchliches Archiv Stuttgart.

Im 19. Jahrhundert wurde der lichtergeschmückte Tannenbaum schließlich zum Mittelpunkt der bürgerlich-evangelischen Familienweihnacht. Das Grün des Weihnachtsaumes symbolisiert die immerwährende Liebe Gottes. Die Lichter verweisen auf das „Licht der Welt“, das mit der Geburt Christi aufgeht.

Dieses Licht sollte auch den Soldaten im ersten Weltkrieg scheinen. In kleinen Feldpostpäckchen konnten Familien ihren Angehörigen ein Weihnachtsbäumchen an die Front schicken.

Ein Exemplar dieser Rarität befindet sich in der Musealen Sammlung des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart.

Die Illustration auf dem Päckchen zeigt eine Weihnachtsfeier zu Hause (ohne Vater) und eine Weihnachtsfeier der Soldaten im Feld mit Bäumchen, darüber ein gemeinsamer Sternenhimmel.

„Was bringt die Feldpost heute? Hurrah!

Ein Weihnachtsgruß aus der Heimat ist da:

Euch starken Wächtern in Sturm und Graus

Von uns, die friedlich wohnen im Haus.

Wir wollen dies Jahr keine Weihnachtsgaben.

Ihr Lieben, Tapfern, ihr sollt sie haben.

 

Und spüren, wie wir zur heiligen Nacht

In Dank und Treue an euch gedacht.

Gott sei die Ehre! Er lasse auf Erden

Allüberall bald wieder Frieden werden.

Otto Gittinger

Das Pfarramt und seine gesellschaftliche Funktion im Ersten Weltkrieg im Spiegel der historischen Überlieferung

26. November 2019 | |

Die Sichtung des neu ins Landeskirchliche Archiv Stuttgart eingeholten Pfarramts Lichtenwald (Hegenlohe und Thomashardt) brachte unter anderem verschiedene Unterlagen und Materialien aus der Zeit des ersten Weltkrieges zu Tage. Genuin dem Bereich der Seelsorge und Fürsorge für die Gemeindeglieder zuzuordnen sind verschiedene fortlaufend geführte Auflistungen von zum Kriegsdienst eingezogenen Männern der Gemeinde, mit den jeweiligen Feldpostadressen und ähnlichen Informationen. Zu den Gefallenen wurden besondere Erkundigungen eingeholt, die sich in manchmal eine ganze Seite füllenden, handschriftlich angefertigten Lebensläufen niedergeschlagen haben. Dazu wurden verschiedene Hefte angelegt. Dass das Pfarramt aber darüber hinaus als Schnittstelle zwischen staatlichen, nichtstaatlichen und semistaatlichen Organisationen und der lokalen Bevölkerung als Zielgruppe fungierte beweisen allerdings die zahlreichen Aufrufe, Bekanntmachungen, Handzettel, Formulare und ähnliche Unterlagen, die den größten Teil der Überlieferung ausmachen. Eigentlich fremder Provenienz schien ihre Aufbewahrung ebenfalls sinnvoll, da sie einen Querschnitt über solcherart spezifische Druckwerke von 1915 bis 1918 liefert. Es handelt sich dabei um die zahlreiche Bitten zur Zeichnung der verschiedenen Kriegsanleihen, zur Goldablieferung, zur Windelwoche, zu Spenden für die verschiedensten Soldatenhilfsstellen. Die wirtschaftliche Situation wird deutlich an den vielerlei Druckwerken und Plakaten, die Anweisungen geben, um dem Mangel entgegenzuwirken, wie etwa Anleitungen zum eigenständigen Gemüseanbau oder zum Sparen von Seife. Offenbar sah man hier nicht nur das Rathaus sondern auch das Pfarrhaus als wichtigen Partner, die Menschen vor Ort zu erreichen.