Schlagworte: Krieg

Maikäfer flieg!

4. Mai 2022 | |

LKAS, Museale Sammlung, Inv. Nr. 00.088

Viele kennen noch dieses bekannte Volkslied, das recht fröhlich beginnt und schon in der zweiten Zeile für irritierenden Ernst sorgt, indem es Krieg thematisiert. Dass das Kinderlied lange Zeit arglos geträllert wurde, zeigt dieses wohl aus den 1950er Jahren stammende Kindertaschentuch, das mit einem Nachlass in unsere Museale Sammlung kam: Zwei lachende, singende Kinder und vier dicke Maikäfer.

Maikäfer sind heutzutage nicht mehr oft zu sehen, dafür sind Kriege und ihre Folgen täglich präsent.

Was hat es mit diesem Volkslied auf sich? Von welchem Krieg ist die Rede? In welchen Kriegsgebieten sind die Eltern dieser Kinder verschwunden? Pommerland? Pommern?

Zahlreiche historische sowie kultur- und literaturwissenschaftliche Deutungen gibt es zur Herkunft dieses Liedtextes. Zunächst ging man davon aus, dass es im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) entstand. Doch das im Text entworfene Bild des ausziehenden Vaters als Soldaten und der zurückbleibenden Familie hat zu dieser Zeit wohl so nicht stattgefunden. Laut dem Historiker Hans Medick seien in Dreißigjährigen Krieg vielmehr ganze Hausstände in Trossen hinter den Armeen hergezogen und hätten vagabundierende Lebensgemeinschaften gebildet. Einen möglichen historischen Bezug sieht Medick eher im Siebenjährigen Krieg (1756–1763), der auch in der Region Pommern drastische Spuren hinterließ.

Die heute bekannte Textversion des Liedes lässt sich seit etwa 1800 in gedruckter Form nachweisen. Die Melodie, die auch für das Wiegenlied „Schlaf, Kindlein, schlaf“ verwendet wird, komponierte Johann Friedrich Reichardt 1781 nach einer Volksweise.

Die anhaltende Beliebtheit des Liedes erklärt sich möglicherweise aus der Faszination seiner Widersprüchlichkeit. Zur lieblichen Wiegenlied-Melodie werden nüchtern die Schrecken benannt: Die Eltern sind verschollen, ob sie zurückkehren, ist ungewiss. Das Spiel der Kinder, Maikäfer einzufangen und wieder fliegen zu lassen, spiegelt Trost und Verzweiflung gleichermaßen.

Quelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Maik%C3%A4fer_flieg

Ein Maikäfer beim Abflug auf einer Apfelblüte. Foto: Jazzclub, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Krieg, Verlust, Tod

22. Juni 2020 | | ,

Einschränkungen, Entbehrungen, Angst – Was die eine Generation in der Corona-Krise erst lernen muss, ist einer kriegsgezeichneten Generation nicht neu. Die Verluste, die diese Generation hinnehmen musste, sind schwer in Worte zu fassen. So traf es im zweiten Weltkrieg auch die Münsterbauhütte: Das Gebäude an sich völlig zerstört, das Münster selbst von Bomben beschädigt. Und der Münsterbaumeister? Münsterbaumeister Karl Friederich verlor am 17.09.1944 bei einem Tieffliegerangriff in einem Zug bei Offenburg, in dem er sich befand, das Leben. Während eines Münsterumgangs und einer anschließenden Münsterbaukomiteesitzung am 12. September 1951 wurde ein Gedenkstein im Übergang von der südlichen Seitenschiffvorhalle zur Hauptportalvorhalle zu seinen Ehren enthüllt. Seine Mitarbeiter wie auch sein Nachfolger hatten teilweise schwer an den Nachwirkungen des Krieges zu tragen. Steinhauer Schöck beispielsweise beantragte Ende der 40er Jahre Arbeitsschuhe, da er selbst über kein festes Schuhwerk mehr verfügte. Laut eines Schreibens des Münsterbauamts an das städtische Wirtschaftsamt vom 07. Mai 1948 kam Steinhauer Schöck erst mit schlechtem Schuhwerk, dann mit seinen leichten Sonntagsschuhen zur Arbeit, da ihm die vom Amt gestellten Holzschuhe nach einer Kriegsverletzung (Spitzfuß) Beschwerden verursachten. Daher bemühte sich das Münsterbauamt bei der zuständigen Stelle für den betroffenen Steinhauer um neues Schuhwerk.

LKA, Ulm, Münsterbauhütte, 315

LKA, Ulm, Münsterbauhütte, 493

LKA, A 129, 1213

Zerbombte Erinnerung

16. April 2020 | | ,

Heute vor 75 Jahren, am 16. April 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, wurde Freudenstadt durch französische Bombenangriffe und Artilleriebeschuss großflächig zerstört. Feuer breitete sich ungehindert in der Innenstadt aus und erfasste auch die Stadtkirche mit den in der Pfarrei befindlichen historischen Tauf-, Ehe- und Sterberegistern. Durch Abschriften dieser Kirchenbücher sind die Daten weitgehend erhalten geblieben und können heute von Familienforschern beim Kirchenbuchportal Archion eingesehen werden.

Die originalen Kirchenbücher (siehe Bild) wurden damals geborgen. Später wurden die verkohlten Bücher ins Landeskirchliche Archiv verbracht, in der Hoffnung, dass es die Technik irgendwann möglich machen wird, sie zu lesen.