2.000 Predigten aus 50 Jahren Dienstzeit. Der Nachlass des Pfarrers, Dekans, Garnisonspfarrers und Oberkirchenrats Dr. Albert Bacmeister (1845-1920) wurde ergänzt

8. Dezember 2025 | |

Die unserem Archiv im Jahr 2011 und 2015 übergebenen und 2017 von Lena Kremp erschlossenen Nachlassunterlagen des württembergischen Geistlichen Dr. Albert Bacmeister erfuhren nun eine bemerkenswerte Ergänzung: seine vollständige Predigtüberlieferung.

Predigt zum Abschied der ostasiatischen Truppen vom 15.07.1900 (EABW, D 84, Nr. 16);

Die in mehreren Bündeln vorhandenen Predigten spiegeln seine gesamte Zeit als Amtsträger unserer Landeskirche wider. Sie wurden von Bacmeister selbst sorgsam aufbewahrt und beschriftet: von seinen „Anfängen” in Endingen (1865 ff.), Mittelstadt (1868), Großbettlingen (1869 ff.), Wangen (1870), Braunsbach (1870 ff.) und Schlaitdorf (1871) über seine Zeit als Pfarrer in Niederstetten (1871–1879), Öhringen (1879–1889) und Geislingen (1889–1896) als Garnisonsprediger (1896–1904) und Stadtpfarrer und Dekan in Ludwigsburg (bis 1917) bis hin zu den letzten drei Jahren seines Ruhestands.

Dankesbrief des Kabinetts Seiner Majestät des Königs von Württemberg vom 3. Dezember 1918 (EABW, D 84, Nr. 5).

Der Begriff „Predigten” ist dabei weit gefasst, denn es sind auch Reden zum Sedantag, eine Ansprache im Lyzeum am Tag der Beisetzung Kaiser Wilhelms, ein Gottesdienst zum Gustav-Adolf-Fest (17.07.1895) und eine Festrede beim Bankett zum 100. Geburtstag Kaiser Wilhelms I. überliefert. Ebenso finden sich die Vereidigung von Kriegsfreiwilligen (05.10.1898), Ansprachen bei Christfeiern im Schloss sowie bei einer Christfeier bei der Armenbescherung in Gegenwart des Königspaares (19.12.1899), dutzende Investitur- und Ordinationsansprachen, eine Rede zum Kaisersgeburtstagsbankett der Bürger (27.01.1901) und zur Konferenz der Militärgeistlichen (15.09.1903), Grußrede zur Lutherfeier (10.11.1903), Reden bei Missionskonferenzen, Visitationen und Einweihungen sowie Kriegsbetstunden (Nr. 19). Hinzu kommen weit über 100 Kasualansprachen.

Darüber hinaus ist Bacmeisters Predigt zum Abschied der Kriegsfreiwilligen für die ostasiatischen Truppen vom 15. Juli 1900 überliefert, die er als Garnisonsprediger in Ludwigsburg für ihren Einsatz im deutschen Pachtgebiet Kiautschou an der chinesischen Ostküste hielt (Nr. 16).

In den Nachlassunterlagen findet sich ein Dankesbrief des Kabinetts Seiner Majestät des Königs von Württemberg vom 3. Dezember 1918, verfasst kurz nach dem „Thronverzicht” (Nr. 5). Er zeigt, dass Bacmeister trotz seiner nationalliberalen Einstellung ein zuverlässiger Verfechter der Monarchie geblieben ist (Kienzle).

Die nun recherchierbaren Nachlassunterlagen mit ihren etwa 2.000 Predigten und Reden aus 50 Dienstjahren zeugen von Bacmeisters enormer Arbeitsleistung, die er trotz seines angeschlagenen Gesundheitszustands erbrachte.

Der Bestand (D 84) umfasst 26 Akten mit einem Umfang von einem halben Laufmeter und einer Laufzeit von (1826) 1860–1920 (1958/59). Die Erschließungsdaten sind online recherchierbar und die Akten selbst sind in unserem Lesesaal einsehbar.

Ein Fall für s Archiv – oder kann das weg?

2. Dezember 2025 | |

Die Mitarbeiter des Evangelischen Archivs Baden und Württemberg in Möhringen stellen sich diese Frage sehr oft und scheinbar täglich.

Im Zuge meiner Umschulung zur FaMI (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste) mit Schwerpunkt Bibliothek war es mir besonders wichtig, im Rahmen eines Pflichtpraktikums ein anderes Berufsfachgebiet kennenzulernen und Archivluft zu schnuppern.

Ich erhielt vielfältige, neue und faszinierende Einblicke in die evangelisch geprägte Kirchengeschichte. Besonders gut gefielen mir die fast bildhaft-lebendigen Erzählungen und Erfahrungsschilderungen einzelner Mitarbeiter aus ihren Sachgebieten und der damit verbundenen Arbeit.

Das war weit entfernt von meiner zugegebenermaßen klischeehaften Idee des Arbeitsalltags eines Archivars. Selten mit weißem Kittel und nur ab und an im nicht verstaubten Keller.

Praktisch unterstützen konnte ich bei der systematisch-alphabetischen Sortierung eines Personenregisters, der neuen Beschilderung für Regale im Magazin oder auch beim Umzug von Akten und Nachlässen in den Neubau.

Ob ich ein Fall fürs Archiv bin?

Die Welt des Archivs ist eine ganz eigene, und ich bin sehr dankbar für die wertvollen Erfahrungen, die ich in diesen vier Wochen sammeln durfte. Das mir entgegengebrachte Vertrauen und die Freundlichkeit der herzlichen Mitmenschen haben diese Zeit zu etwas Besonderem gemacht.

Von mir ein klares „Ja“ und 👍🏻 für das Archiv.

Foto: EABW